Fülle des Lebens

wald 19
Das geliebte Wesen, das uns der Tod entriss, verlöschte nicht.

Es trat in eine andere Dimension, die seinen moralischen und geistigen Errungenschaften ent­spricht.

Der Tod ist in Wirklichkeit das Tor, das sich öffnet und in das volle Leben führt, wo sich unzerstörbar die unvergleichlichen Schätze der Ewigkeit befinden.

Gleich nach dem physischen Tod erwartet einen weder die Konfrontation mit domi­nanten Dämonen einer mythischen Hölle, noch die Begegnung mit jubelnden Che­rubim, die den Geist in die Himmel führen.

Hingegen sieht man sich mit seinem Gewissen konfrontiert, das zur Analyse des gelebten Verhaltens erwacht und dieses mit dem vergleicht, das hätte erwartet werden k önnen. Die ersten Tage nach dem Heimgang verbringt der Geist üblicherweise schlafend. Wenn er erwacht, tritt er in die Wirklichkeit, in der er von diesem Augenblick an leben wird.

Keine zwei Wesen erleben Tod und Wiedergewinnung des Bewusstseins auf die gleiche Weise. Jedes ist ein persönliches Universum, das sich von den übrigen unterscheidet und nach seinen eigenen Gefühlen und Anliegen lebt, die seiner geistigen Entwicklung entsprechen. So erwacht jedes im Jenseits dementsprechend, wie es unter der Anästhesie des Todes entschlief.

Wer seine irdische Existenz in eine segensreiche Lehre verwandelte, wird die ge­reiften Früchte der Freude und nachhaltigen Erneuerung zum Guten ernten. Wer hingegen das physische Übungsfeld für sinnliche Vergnügungen oder übles und verwirrendes Tun missbrauchte, wird die übrig gebliebenen Disteln sammeln, die ihn zum Nachdenken einladen.

Niemand hat das Recht, eine Glückseligkeit zu geniessen, die er nicht zuvor er­baut hat. Gleicherweise wird man nur die Leiden erdulden müssen, die einem zu­stehen. Im ganzen All herrscht die souveräne göttliche Gerechtigkeit. Die Erde ist ein gesegnetes Internat, wo die Geister die unschätzbaren Werte des Evolutionsprozesses entfalten. Jede Erfahrung ist eine bezeichnende Lektion, die das Innere prägt und Ziele für Eroberungen setzt.

Dies ist so, damit in allem jede Anstrengung zugunsten der Selbst-Klärung und der Solidarisierung mit dem Nächsten unternommen werde, auf dass das menschliche Dasein sich in ein schönes Feld edler Verwirklichungen verwandle. Rasch vergeht das physische Leben und f ührt den Geist samt seiner Sammlungen positiver und negativer Schätze, zurück in die grosse Heimat, von wo er einst aufgebrochen war. Diese sind es die nach dem organischen Tod f ür die Wirklichkeit bestimmend sein werden. Derart führt die zeitliche Reise durch den physischen Körper unvermeidlich durch den Tod zum Überleben.

Es ist natürlich, dass du an der Sehnsucht nach dem geliebten Wesen leidest, das die Erde für die Unsterblichkeit verloren hat.

Verzweifle deshalb nicht ob der Trauer, dass du dich des Zusammenseins mit ihm, seiner Liebe, seiner gesegneten Gegenwart nicht mehr erfreuen kannst. Anstatt dich von der Verzweiflung übermannen zu lassen, beruhige dich und hülle das geliebte sen Wes ein glückliche Erinnerung ein. Schicke ihm erbauliche Gedanken und tröstende Gebete nach.

Es wird deine Schwingungen des Friedens und der Liebe empfangen und gest ärkt die Reise antreten. Ängste vor der Reise und allfällige Schmerzen werden abnehmen. Sobald es ihm m öglich ist wird es zurückkehren, dich besuchen und dich mit zärtlicher Dankbarkeit umhüllen. Alles in der Natur stirbt zur Auferstehung und zur Verwandlung.

Warum sollte nur das Menschenwesen verschwinden? Wenn du es nicht mehr siehst, bedeutet dies nicht, dass es sich aufgel öst hat. Bedenke, dass das meiste, was ist und an das du g1aubst, für deine Augen unsichtbar, vieles davon jedoch für  besondere Instrumente wahrnehmbare Realität ist.

Dasselbe geschieht mit den sog. Toten, die von medialen Werkzeugen gesehen, gehört und manifest gefühlt werden. Auch wenn du nicht mit einer entsprechenden Wahrnehmungsf ähigkeit begabt bist, besitzest du dennoch eine Empfindungskraft, die dir erlaubt, Gedanken und Gefühle zu empfangen.

Wenn du dich in Liebe mit dem Dahingegangenen verbinde möchtest, verinnerliche dich in Stille, so wirst du ihn wahrnehmen. Derart linderst du beider Kum­mer und Schmerz, mit der Salbe der Freude in der Hoffnung auf eine Wiederbe­gegnung. Dank der durch Jesu aufgewerteten Medialität ist es heute möglich in unmittelba­rem Kontakt mit dem zu bleiben, der dir vorausgegangen ist.

Indessen ist zu prüfen, unter welchen moralischen, emotionalen und spirituellen Bedingungen ein Wesen steht, damit sich eine Verbindung reich und segensvoll, wirklich und anregend für den künftigen Fortschritt gestalte. Da dem so ist, verwandelt der Tod nicht den, den er ereilt. Jeder reist in Gesellschaft jener, mit denen er w ährend des physischen Lebens als Glaubender verbun­den war.

Umhüllt dich der Schleier der Trauer noch in Bange und Schmerz, löse ihn mit subtilen Schwingungen des Gebetes und mit erhabenen Gedanken auf, die dir die Liebe eingibt. Es wird dir so Gewissheit, dass du bald, wenn deine Reise zu Ende ist, dem begegnen wirst den du jetzt beweinst.

Inzwischen lebe so, dass du, wenn du von den fleischlichen Bindungen frei wirst zur  Klarheit findest und dich der liebenden Zustimmung dessen erfreuen kannst, der dich zum Herzens- und Seelenfest erwarten wird.

Unzählige Male sprach der Freund der Verlassenen von der Unsterblichkeit und vom Himmelreich, das jene, die auf ihn hören, anregt, sich der Leidenschaften und schlechten Neigungen zu enthalten, die einen in versklavende Netze verwickeln. Jesus lehrte, dass er kam, um allen das Leben in Fülle zu erschliessen. Dann kündigte er seinen eigenen Tod an, um darauf die Herrlichkeit des erhabenen Lebens zu bezeugen. ­Und als er eingeladen wurde, höchstes Zeugnis zu geben, ertrug er eine grau­sam quälende Geisselung und gab sein Leben hin für die, die er liebte.

Doch er erstand leuchtend und triumphierend aus dem Grabe und bestätigte seine Worte, die den Beginn eines neuen Zeitalters immerwährender Glückseligkeit ankün-digten. Vergiss deshalb nicht, dass du um auferstehen zu k önnen, erst sterben musst.    

Joanna de Ângelis (Geistwesen)